Experten sehen in semantischen Technologien kein Wundermittel
Auffinden von relevanten Informationen wird erleichtert - Automatisierte Businessplan-Bewertung erleichtert Kreditvergabe - Konkrete Anwendungsbeispiele bei Podiumsdiskussion erörtert
Potenziale in Nischen statt Vorteile für die breite Masse: Den derzeit großen Hype um semantische Systeme, die das „Internet der Zukunft" prägen und die Suche revolutionieren sollen, beurteilten Experten bei der Podiumsdiskussion des APA-IT-Forums am 12.11.2009, in Wien eher skeptisch. „Wir glauben nicht an ein großes semantisches Web, sondern eher an semantische Technologien, die bei spezifischen Internetanwendungen helfen können", erklärte Thierry Declerck vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI).
Praktische Einsatzmöglichkeiten gebe es bereits. Als Beispiel nannte Declerck die Wissensgewinnung aus Radiologie-Berichten, wobei Bilder und Texte mit semantischen Informationen versehen werden. Dadurch könnten Fragen beantwortet werden wie: „Zeige mir Akten von Patienten, die eine Vergrößerung der Lymphknoten haben." Dies diene dazu, neue Erkenntnisse zu gewinnen, beziehungswiese die Behandlung zu verbessern.
Im Finanzbereich könnten etwa veränderte Informationen automatisch Ratingagenturen und Banken mitgeteilt werden. Ein mögliches Einsatzgebiet sei auch die standardisierte Darstellung von Geschäftsberichten. „Da müsste viel umgestellt werden und das kostet. Allerdings ist Transparenz hier sehr wichtig. Das beweist die große Nachfrage aus der Industrie", so Declerck. Außerdem könnten etwa Businesspläne automatisch bewertet werden, um die Entscheidung über die Kreditvergabe zu vereinfachen.
„Semantische Technologien unterstützen Unternehmen auch bei ihrem Internet-Marketing. Angebote können effizienter und an mehreren Orten im WWW zugleich dargestellt werden", ergänzte Christian Siegfried Boser, Leiter des Fachbereiches Semantic Web der WKÖ-Standardisierungsinitiative AUSTRIAPRO. Ein Beispiel dafür sei das Projekt "ebSemantics", im Rahmen dessen man die Unternehmensdatenbank „Firmen A-Z", die rund 400.000 Betriebe umfasst, semantisch aufbereitet habe.